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Das Marschmellow Journal

Warum du eindeutig ein Glückskind sein musst

Ziemlich lange Zeit dachte ich, ich sei ein Pechvogel und einer meiner Brüder hätte ungemein viel Glück. Dann sagte eine Freundin zu mir: „Ach, wir beide sind alles in allem echte Glückskinder!“ und ich wollte spontan sagen: Ja, du vielleicht. Stattdessen habe ich eine Entscheidung getroffen, die mein Leben nachhaltig verändert hat.

Ein Glückskind, das ist in meinem Verständnis jemand, dem – wie der Schwabe so schön sagt – das Wasser den Buckel hochläuft. Soll heißen: Gegen jedwede Gesetzmäßigkeit fällt diesem Menschen alles so zu, wie es perfekt für ihn ist. Stellt sich die Frage, welche Gesetzmäßigkeiten man dabei wohl im Sinn hat? Für mich war das die Annahme, dass es nicht (immer) gut laufen kann, vor allem nicht für mich. Du kennst das vielleicht: Dauernd geht irgendwas schief, natürlich, das muss es ja, ist ja typisch, so ist das immer bei mir. Mein Bruder machte sich als Kind und auch noch als Heranwachsender eher weniger Gedanken, vermute ich. Er tat das, was er im jeweiligen Augenblick für richtig hielt. Während ich sparte, gab er sofort jeden Cent aus, den er in der Tasche hatte. Während ich mich ärgerte, dass ich mich selbst bekochen musste, sagte er, er hätte die mir zugedachten Reste nun mal aufgegessen, weil er hungrig gewesen sei. Während ich mich um gute Noten bemühte, fand er es genug, einigermaßen mit Anstand so durchzukommen. Er kam damit recht bequem voran.

Einsam und verlassen in der Dunkelheit und Leere der gefährlichen Wüste, gestrandet ohne jeglichen Komfort - oder unendlich frei und lebendig, beschenkt mit einer einzigartigen Erfahrung, versorgt mit allem Notwendigen? Es ist allein deine Entscheidung. Foto: Robson Morgan

Vor ein paar Jahren fiel dann dieser denkwürdige Satz – wir sind ja alles in allem echte Glückskinder. Ich überlegte. So hatte ich mich nicht betrachtet, nie. Angefangen mit banalen Kleinigkeiten aus meiner Kindheit: Ich musste Blockflöte spielen, obwohl ich absolut talentfrei und die Lehrerin sehr doof war und auch dann noch, als ich aus lauter Frust das Instrument auf dem Boden zerschmettert hatte. Ich wurde von meinen Eltern bis zum Erbrechen mit dem kleinen Einmaleins getriezt, ich durfte die Möbel für mein Teenagerzimmer nicht selbst aussuchen oder wenigstens mitentscheiden und meine Mutter hat sich irgendwann erdreistet, den Kartoffelbrei nur noch aus dem Päckchen zu machen. So ein Pech aber auch.

Natürlich hätte ich dazu inzwischen eine andere Perspektive anzubieten.

Man kann ja durchaus mal einen Blick auf die Dinge werfen, die ganz objektiv toll gelaufen sind. Angefangen damit, dass man in relativem Wohlstand geboren wurde, nie Hunger leiden musste und ein Dach über dem Kopf hatte. Gefördert wurde in den eigenen Interessen und Talenten, selbst wenn die Jahre mit der Blockflöte nicht unbedingt ein Paradebeispiel dafür sind. Das ist schon ein ziemliches Glück

Gewonnen hast du dann, wenn du entscheidest, Gewinner zu sein. Foto: Ryan McGuire

Nun ist der Gedanke ja nicht schlecht, sich vor Augen zu halten, wo man im Leben Glück gehabt hat. Die Idee mit dem Glückskind ist aber viel weitreichender. Denn nachdem ich erst einmal begonnen hatte, über diese Glückskindgeschichte nachzudenken, kam mir ein für mich revolutionärer Gedanke: Was, wenn ich einfach entscheide, ein Glückskind zu sein? Und genau das tat ich. Ich beschloss, mich ab sofort selbst als vom Schicksal gesegnet zu betrachten. Was dann geschah, ist fast schon magisch: Ich besaß fortan eine unerschütterliche Gewissheit, dass die Dinge, die ich anpacke, gelingen. Ich bezog daraus die notwendige Selbstsicherheit, um:

„ach-das-wäre-schön-aber*seufz*-Ideen in
und-genau-das-werde-ich-tun-Aktionen

umzusetzen. Und das Wunder geschah: Es lief. Und es läuft. Und ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass ich genau das verdient habe, denn schließlich bin ich ein Glückskind. Manchmal geschieht dann etwas, das Nicht-Glückskinder in ihrer Annahme bestärken würde, dass sie selbstverständlich immer Pech haben. Ich bin dagegen allerdings inzwischen immun, denn meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass alles, was ich als schmerzhaft, missglückt, fehlerhaft oder schlicht absolut beschissen empfunden habe, sich mit einiger Entfernung als Glücksfall im Lumpenkleid entpuppt hat. Ja, auch die ganz großen Katastrophen. Mein Bruder übrigens hält sich nicht für ein Glückskind. Er hat festgestellt, dass sein völlig bedenkenloser Kurs manchmal auch unerwünschte Konsequenzen hatte. Ein Glückskind zu sein bedeutet meinem Verständnis nach nicht, Kopf und Herz auszuschalten, es bedeutet, für sich selbst zu reklamieren, dass man Erfolg und Zufriedenheit haben kann und darf und will und wird. Die Überzeugung, dass alles, was geschieht, zum eigenen Besten geschieht. Vielleicht hast du ja Lust, dich der Glückskinderfraktion anzuschließen? Es bedarf nur einer einzigen Sache: Entscheide dich dafür, ein Glückskind zu sein.

von Marschmellow-Blogerin: Miss Annie
-Believe in yourself-